Tulasi - Tulsi - Ocimum sanctum
Synonyme
Ocimum tenuiflorum
Familie
Tulasi - Ocimum sanctum - ist ein Strauch aus der Familie der Lippenblütler oder Lippenblütengewächse (Lamiaceae).
Klassische Bezeichnungen
Tulasi, Surasaa, Surasa, Bhuutaghni, Suravalli, Sulabhaa, Manjarikaa, Bahumanjari, Devadundubhi, Apetraakshasi, Apetarakshasi, Shuulaghni, Graamya, Sulabhaa, Gauri, Shyama.
Landestypische Bezeichnungen
- Eng. - Holy basil, Sacred basil
- Deu. - Heiliges Basilikum, Indisches Basilikum, Tulsi, Tulasi
- Hindi - Kalatulsi, Tulsi
- Malayalam - Tulsi, Karuttatrttavu, Niella tirtua, Krishna-tulsi
- Marathi - Tulasa, Tulasi
- Tamil - Karuttulaci, Tulac
Botanische Beschreibung
Tulasi, Ocimum sanctum, ist eine aufrechte, einjährige, weich behaarte, vielverzweigte, bis zu 1,5 Meter hohe Staude, die zum Stamm hin verholzt.Die Blätter sind elliptisch, länglich, leicht gezähnt und behaart. Die in langen Trauben stehenden Blüten sind sehr klein und purpurn bis dunkelrot. Die Samen sind blaßbraun.

Verbreitung
Tulasi, Ocimum sanctum, ist in ganz Indien verbreitet, bis zu einer Höhe von 1800 Metern. Kultiviert findet man es in vielen Gärten und Klöstern.
Verwendete Teile
In der Ayurveda nutzt man die Blätter, Wurzeln und Samen des Tulasi.
Mythologie
Tulasi, Ocimum sanctum, ist eine der heiligsten Pflanzen der Inder. In der indischen Mythologie heißt es, dass Tulasi, Ocimum sanctum, denjenigen von allen Sünden befreit und dessen Körper reinigt, der die Pflanze berührt. Tulasi, Ocimum sanctum, wird nachgesagt, dass es zur Erlösung führt und vor Tod, Krankheit und Unheil schützt, wenn man es Lord Krishna darbietet. Auch heißt es, dass Tulasi Yama, den Gott des Todes einschüchtert und die Manifestation des Gottes Vishnu darstellt. So ist es nicht verwunderlich, dass Tulasi in vielen indischen Gärten und Tempeln zu finden ist.
Indikationen und Wirkungen
Tulasi, Ocimum sanctum, wird in der Ayurveda als bitter, aromatisch, magenstärkend, lindernd, schweißtreibend, verdauungsfördernd, entwässernd, auswurffördernd, antipyretisch, blutreinigend, entzündungshemmend, herzstärkend und wurmtreibend beschrieben.
Tulasi-Blätter
Tulasi-Blätter werden bei Bronchitis, Erkältung, Husten, Herzbeschwerden, Vitiligo (Weißfleckenkrankheit), Asthma, Katarralfieber, Otalgie (Ohrenschmerzen), Leberleiden, Erbrechen, Lumbago (Hexenschuss), Schluckauf, Augenbeschwerden, Ringelflechte, Magen-Darmbeschwerden und Hauterkrankungen verabreicht.
Ein aus Tulasi-Blättern erstellter Juice schmeckt scharf und bitter. Er gilt als Tonikum und wird als blutreinigend, den Körper verjüngend und nervenstärkend beschrieben. Tulasi-Juice wird dementsprechend auch als Rasayana bezeichnet, als verjüngendes Lebenselexier, von dem man zweimal täglich 5 g zu sich nehmen sollte. Personen mit Hauterkrankungen wird Tulasi-Juice in der Ayurveda zur Heilung verabreicht.
Ein aus Tulasi-Blättern erstellter Tee hilft bei stressbedingten Erkrankungen, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür, Herzbeschwerden, Bluthochdruck, Kolitis (Dickdarmentzündung) und Asthma.
Zur Verbesserung des Gedächtnisses verabreicht man in der Ayurveda 5 Tulasi-Blätter morgens auf nüchternen Magen, zusammen mit etwas Wasser. Alternativ kann man 10 Tulasi-Blätter mit 5 Samen schwarzen Pfeffer, 4 Mandeln und etwas Honig zerstampfen und auf nüchternen Magen zu sich nehmen. Tulasi, Ocimum sanctum,beruhigt die Nerven, stimuliert die Gehirnaktivität und führt bei regelmäßiger Einnahme zu einer Verbesserung des Gedächtnisses.
Ein Dekokt aus Tulasi-Blättern mit einer Prise Kardamom und 10 g Knabenkrautpulver soll aphrodisierend wirken. Die dem Knabenkraut zugeschriebene Wirkung begründet sich auf die Signaturlehre und ist nicht belegt. Darüber hinaus steht Knabenkraut unter Naturschutz. Alternativ empfiehlt man in der Ayurveda die Einnahme von Tulasi-Pillen à 3 g. Eine Tulasi Pille besteht aus Tulasi-Pulver und unrafinierten Zucker. Als Dosierung wird eine Tulasi-Pille morgends und abends angegeben.
Zur Behandlung von Grippe kocht man in der Ayurveda 45 Tulasi-Blätter zusammen mit 600 ml Wasser bis das Wasser zur Hälfte verdampft ist. Diesen Dekokt nimmt man zusammen mit einer Prise Salz dreimal täglich warm ein. Der Dekokt führt zum Schwitzen und fördert so die Heilung.
Bei Husten, Halsschmerzen, Erkältung allgemein und Gliederschmerzen wird ein Dekokt aus Tulasi-Blättern, schwarzen Pfeffer, Ingwer und einer Prise Salz bereitet. Eine Prise Salz zusammen mit etwas schwarzen Pfeffer, 15 Tulasi-Blättern und etwas Ingwer wird in 250 ml Wasser gekocht, bis die Flüssigkeit zur Hälfte verdampft ist. Den so erhaltenen Dekokt trinkt man heiß und schluckweise. Die Prozedur wird drei mal täglich durchgeführt.
Bei Asthma wird in der Ayurveda dreimal täglich die Einnahme von Tulasi-Juice zusammen mit etwas Honig empfohlen.
Ein Aufguss aus Tulasi-Blättern wird als hilfreich bei Verdauungsbeschwerden beschrieben und wird Kindern als magenstärkendes Mittel bei Magenbeschwerden verabreicht.
Mit etwas Wasser zusammen gemahlene Tulasi-Blätter äußerlich aufgelegt, werden in der Ayurveda als hilfreich zur Behandlung von Vereiterungen beschrieben.
Traditionell wird Tulasi, Ocimum sanctum, auch zur Behandlung der Betelsucht eingesetzt. Statt des Betelbissens werden dazu nach dem Essen ein paar Tulasi-Blätter gekaut.
Tulasi-Samen
Tulasi-Samen sind schleimig und reizlindernd. Sie werden bei Beschwerden im Urogenitaltrakt verabreicht.
Tulasi-Wurzel
Frische Tulasi-Wurzeln mit etwas Wasser zermahlen werden in der Ayurveda auf Wespenstiche, Bienenstiche oder Bisse von Würmern oder Blutegeln aufgebracht. Frische zerdrückte Tulasi-Wurzel, Stengel und Tulasi-Blätter helfen äußerlich aufgebracht bei Moskitostichen. Ähnlich dem bei uns heimischen Breitwegerich. Ein Dekokt der Tulasi-Wurzel wird als schweißtreibendes, unterstützendes Mittel bei Malariafieber verabreicht.
Dosierung in der Ayurveda
Tulasi-Juice: 5 - 10 ml
Tulasi-Pulver: 1 - 3 g
Dekokt: 30 - 125 ml
Samenpulver: 1,5 - 2 g
Doshas
Tulasi, Ocimum sanctum, reduziert Kapha und Vata.
Chemische Bestandteile
Ascorbinsäure, Carotin, Alkaloide, ß-Sitosterol, Glycoside, Saponine, Tannin, Bornylacetat, Cadinen, Camphen, Camphor, Carvacrol, ß-Caryophyllene, Decylaldehyd, Eugenol, Stigmasterol, Humelen, Limonen, Methylchavicol, Nerol, Alpha- und ß-Pinen, Gamma-Selinen, ß-Carotin, Apigenin, Luteolin, Molludistin, Oreantin, Ursolsäure, Sitosterol, Galuteolin, Cirsilineol, Gallsäure, Kaffeesäure, 4-Hydroxybenzaldehyd, Palmitinsäure, Stearinsäure, Myristinsäure, Ölsäure, Linolsäure und Linolensäure.
Pharmakologische Eigenschaften
Für Tulasi, Ocimum sanctum, wurde pharmakologisch eine antiasthmatische, antirheumatische, beruhigende, antibakterielle, antimykotische, antivirale, abtreibende, entkrampfende, hypoglykämische, entzündungshemmende, antimutagene, Immunsystem stimulierende, hypotonische, umor hemmende, Magengeschwür hemmende, fiebersenkende, antikataraktische, antigenotoxische, antioxidative, fruchtbarkeitshemmende, Nematoden abtötende Wirkung nachgewiesen.
Toxikologie
Die mittlere letale Dosis (LD50) eines alkoholischen Tulasi-Blatt-Extrakts lag bei 3,75g/kg intravenös verabreicht.
Hohe Dosierungen von Tulasi-Extrakt zeigten in Tierversuchen eine Spermienhemmende Wirkung. Die Einnahme von 5 - 7 g Tulasi-Blattpulver pro Tag über 3 Monate, führte bei Patienten zu Verstopfung. Aufgrund der abtreibenden Wirkung sollte Tulasi nicht während einer Schwangerschaft eingenommen werden.
Studien
Malaria
Einer Ayurvedischen Rezeptur aus Tulasi - Ocimum sanctum, Allium sativum, Piper nigrum und Curcuma longa wird eine starke Antimalaria-Wirkung zugeschrieben. In einer Studie mit 53 Malaria-Patienten, 49 mit Plasmodium vivax Erreger und 4 mit Plasmodium falciparum, zeigte die ayurvedische Mischung keinen antiparasitären Effekt während der einwöchigen Untersuchung. Trotzdem zeigte sich bei weit über der Hälfte der Patienten, alle mit Plasmodium falciparum und 25 mit Plasmodium vivax, eine Verbesserung der Klinischen Symptome.
Virale Hepatitis
In einer Doppelblindstudie verabreichte man 32 Patienten mit Hepatitis eine ayurvedische Mischung mit Hauptbestandteil Tulasi, Ocimum sanctum. 31 Patienten erhielten ein Placebo. Alle 32 Patienten zeigten eine signifikante Verkürzung des Krankheitsverlaufs und eine Verbesserung der klinischen Symptome und biochemischen Paramter.
In einer Studie untersuchte man die Wirkung von Tulasi, Ocimum sanctum, bei viraler Hepatitis. Bereits nach zwei Wochen zeigte sich eine signifikante Verbesserung bei den Patienten. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.
Gehirnentzündung
Ein Extrakt aus Blättern von Tulasi, Ocimum sanctum, zeigte in einer Studie mit 16 Patienten eine höhere Überlebensrate.
Adaptogene Wirkung auf das Immunsyste
Ein Ethanol-Extrakt aus Tulasiblättern zeigte in Tierversuchen eine Immunsystem ausgleichende Wirkung.
Antistress
Ein Pflanzenextrakt aus Tulasi, Ocimum sanctum, verbesserte nach Gabe den Subduralhämatom-Level (SDH) in Ratten. Es zeigte sich auch eine bemerkenswerte schützende Wirkung bei durch Stress hevorgerufenen Magengeschwüren.
Rezepturen
- Mahatrinaka taila
- Tribhuvanakirti rasa
- Muktapanchamrita
- Darvi taila
- Panchanana taila
- Mahajwarankusha rasa
- Jwarasamharaka rasa
Ersatzstoff und Fälschungsmittel
Die Blätter anderer Arten von Ocimum dienen oft als Fälschungsmittel.
Vermehrung und Kultivierung
Tulasi, Ocimum sanctum, bevorzugt eine feuchte Erde mit guter Drainage und einen warmen, sonnigen bis halbschattigen Standort. Die Vermehrung erfolgt über Samen.
Bezugsquellen
Unter den Bezeichnungen Tulsi, Tulasi oder Ocimum sanctum werden im Handel überwiegend Blätter angeboten.Einige Gärtnereien bieten auch die Pflanze zum Kauf an. Anfragen zu aktuell günstigen Bezugsquellen kann man im Forum stellen.
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